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Binchotan

備長炭 - Binchotan - die Kraft im Wasser

Binchotan heißt eine spezielle Aktivkohle mit der Fähigkeit, Wasser zu reinigen, zu mineralisieren und energetisch zu verbessern. Sie hat eine keramikartige Struktur in der naturgewachsenen Form von Ästen und Stämmen und wird noch heute nach uralter Tradition ohne moderne Technologie in Japan geköhlert. Ein Erfahrungsbericht.

 

Als ich vor Jahren das erste Mal ein Stück Binchotan-Holzkohle aus Japan in der Hand hielt, waren meine Reaktionen Verblüffung und Faszination. Das Aststück war extrem schwer für seine Größe und ähnelte mehr einer Versteinerung. Es schwärzte nicht, und angestoßen gab es einen metallischen Klang ab. Weil mir das damit bereitete Wasser ausgezeichnet schmeckte, begann ich genauer nachzuforschen.

 

Vom Energieträger zur Wasserfilter-"Batterie“


Im bergigen Inselstaat Japan war Holzkohle (jap. „Sumi“) viele Jahrhunderte lang der wichtigste Energieträger, in vielen Haushalten ist sie bis heute hochgeschätzt. Die Technik des Köhlerns wurde über die Jahrhunderte bis zur Perfektion verfeinert; die Aktivkohle zur Wasseraufbereitung wurde unter dem Namen Kishu Binchotan bekannt. Kishu ist die Region eines früheren Fürstentums in der heutigen Provinz Wakayama. Binchotan bezeichnet sowohl das traditionelle Herstellungsverfahren als auch das Produkt, welches aus einer immergrünen Steineichenart („Ubame Gashi“) gewonnen wird, die in dieser Region sehr verbreitet ist. Diese spezielle Kohle begegnete mir in Japan auf vielfältige Weise: in der Aufbereitung von Trink- und Badewasser, in kosmetischen Artikeln, zur Verbesserung der Raumluft, aber auch für Anwendungen zum Schutz vor elektromagnetischen Feldern. Auch die Wissenschaftler Südostasiens haben dieses Material bereits eingehend untersucht. Ich stieß auf weitere Eigenschaften der Kohle wie zum Beispiel die Abgabe von negativ geladenen Ionen, von für den Körper gut aufnehmbaren Mineralien sowie von Strahlung im Infrarotbereich (Wärmestrahlung). Ihre Struktur gleicht einem schwammartigen Geflecht aus Makro- und Mikroporen, die dem Kohlenstoff eine beeindruckende Oberfläche von der Größe eines Tennisplatzes je Gramm verleihen. In Wasser eingelegt wirkt Binchotan wie eine mit Mineralstoffen ausgerüstete Batterie. Infrarotstrahlung, physikalische Adsorptionskräfte und der Sog der entweichenden gelösten Gase treiben einen Ionenfluss durch die Mikroporen des aktivierten Kohlenstoffs an. Dabei werden bestimmte Stoffe (Chlorverbindungen, Lösungsmittel, Pestizide, aber auch Schwermetalle wie Cadmium oder Blei) aus dem Wasser gefiltert. Gleichzeitig, und das ist das Besondere, gibt die Kohle lösliche Mineralien ab, die das Wasser weich und leicht basisch machen. Die Binchotan-„Batterie“ lässt sich reinigen und und durch gelegentliches Abkochen wieder aufladen (reaktivieren). Sie verändert das Wasser ganzheitlich, bildhaft gesprochen ist sie wie ein gespeichertes Feuer, das in seiner Umgebung Transformationsprozesse anregt.

 

 

Zu Besuch bei einer traditionellen Binchotan-Köhlerei in Japan

Mein gewachsenes Interesse führte mich über gewundene Straßen der Pazifikküste Wakayamas. Steile dichtbewaldete Bergketten wechselten mit durchkultivierten Tälern. Ich folgte dem Flußverlauf und stand schon bald vor einer Binchotan-Köhlerei, welche aus einer überdachten Zeile von vier Lehm­öfen, Wirtschaftsgebäuden und dem Holzlager bestand. Ein Ofen war gerade nicht in Benutzung und deswegen begehbar. Die Türöffnung war breit und hoch wie eine menschliche Gestalt und auch im Inneren schienen sich die Maße an menschlichen Proportionen zu orientieren. Ich erfuhr, dass die innere Form einer liegenden Feige gleicht und das Holz im feuchten Zustand bei etwa 300 Grad innerhalb von neun Tagen gleichsam "gebacken" wird. Während der letzten drei Tage wird die Temperatur graduell auf bis zu 1200° gebracht, die Rinde verbrennt und die glühenden Baumstämme werden herausgezogen und mit einer Erde-Asche-Mischung abgedeckt.

Im Gespräch mit dem 92-jährigen Meister erfuhr ich noch einiges mehr über das Köhlerhandwerk. Leider müssen die nachhaltig bewirtschafteten Steineichenwälder mehr und mehr den für die Bauwirtschaft kultivierten Zedern weichen. Die japanische Regierung hat sich allerdings ihres Erbes der "weltbesten Holzkohle" erinnert und fördert die Köhlerei heute wieder. Immerhin gibt es in Kishu heute noch 17 zertifizierte Meister, die ihr Produkt "Kishu Binchotan" nennen dürfen.

Der Meister selbst ist in sieben asiatische Länder gereist, um den Binchotanprozess weiterzugeben. Er reiste drei Mal nach China, um den Wissensstand der dortigen Köhler zu verbessern.

Ihm zufolge ist der Herstellungsprozess in jedem Land mit vier Jahreszeiten möglich. Zum Abschied machte der Meister mir die Einladung zu einem Praktikum in seiner Köhlerei – mit der Auflage, in den nächsten sieben Jahren zu kommen, damit er noch lebe – zum Geschenk.


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